Die Segelyacht Oceanls 47 mit dem unbescheidenen Namen „Große Freiheit“ ist seglerisch, eher eine „kleine Freiheit“.
Zwar bietet das Schiff jede Menge Platz unter Deck und auch im Cockpit und macht auf Halb- und Raumschotkursen, Speed und Spaß - jedoch endet die GROSSE Freiheit vor den Dalben in den Häfen. Mit 4,50 m Breite am Heck findet man in dem Segelrevier kaum Boxen, in die das Schiff passt. Dass das Heck ausgerechnet die breiteste Stelle des Schiffes ist, führt dazu, dass selbst das achterliche Einparken am Heimatliegeplatz in Heiligenhafen zwischen den Dalben nur möglich ist, wenn zwei Leute die Dalben auseinanderdrücken. Das macht das letzte Hafenmanöver am Ende des Törns nicht gerade einfacher.
Faktisch ist in den Häfen nur das Längsseitsgehen an einer Pier möglich und bei diesem Manöver muss man höllisch aufpassen, dass man beim Eindampfen, in die Vorspring, den weit ausragenden Bugspriet nicht beschädigt.
Die enorme Masthöhe von 21,30 m führt dazu, dass im Jahr 2026, in dem Reparaturarbeiten an der Fehmarnsundbrücke durchgeführt werden, die Brücke nicht unterfahren werden kann. Hier sind unbedingt die aktuellen Revierformationen zu beachten!
Dass der Vercharterter diesbezüglich NICHT einen dicken Warnhinweis im Schiff platziert, IST FÜR MICH ABSOLUT UNVERSTÄNDLICH! Natürlich ist mir bewusst, dass der Skipper für das Einholen der Information selbst verantwortlich ist aber solch eine wichtige Information kann Unfälle verhindern.
Das Aufkreuzen gegen den Wind ist mit diesem Schiff tatsächlich ein Kreuz! Ob es an den suboptimal platzierten Holepunkten der Genua liegt? Ein Wendewinkel von 140° ist auf jeden Fall nicht akzeptabel. Gut, dass wir überwiegend auf halben und raumen Kursen unterwegs waren, die Spaß machten. Ein weiteres Manko sind die enormen Kräfte, die man zum Einrollen des Vorsegels benötigt. Zwei Leute müssen ab 4 bis 5 Windstärken die Reffleine bedienen und ein bis zwei Leute müssen die Schoten nachführen.
Der Motor, die Elektronik und insbesondere der Autopilot waren tadellos und haben einen super Job gemacht!
Ein Wort noch zum Vercharterer:
Wir chartern seit über 20 Jahren dort.
Die Übernahme des Schiffes zum Törnbeginn hat professionell funktioniert. Es wurden sehr kleinteilig, alle vorhandenen Kratzer am Rumpf dokumentiert. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, jedoch hat es schon im Vorfeld eine Vorahnung erzeugt, wie das Schiff bei der Rückgabe kontrolliert wird. Und so war es dann auch! Ein kleiner Gelcoatabplatzer am Bugsprit in Erbsengröße wurde uns mit 333€ durch Abzug von der Kaution ohne Rücksprache in Rechnung gestellt. Wir hatten diesen durch uns verursachten Schaden bei der Rückgabe fairerweise selber angegeben.
Ich erlaube mir hier die Bewertung, dass ich dies als sehr kleinkariert empfinde, da im Winterlager der Gelcoat sowieso überarbeitet wird. In dem Rechnungsbetrag sind 130 € für eine Baustelleneinrichtung und den Gerüstaufbau ausgewiesen. Das ist für mich unglaubwürdig. Besser wäre es, in die Chartergebühr einen geringen Pauschalbetrag einzukalkulieren, mit dem dieser Kleinkram abgedeckt ist. Bei mir hinterlässt diese Vorgehensweise keinen guten Eindruck, auch wenn solche Kosten teilweise von einer Kautions-Versicherung übernommen werden. Oder sollen hier Instandhaltungskosten auf die Versicherungsbranche abgewälzt werden, um 130 € billiger zu sein als die Konkurrenz?
Fazit:
Auch wenn wir mit dem Schiff auf unserem Törn mit raumen Kursen viel Spaß und Platz für 7 Personen hatten, würde ich dieses Schiff aus den oben genannten Gründen nur empfehlen, wenn man diesen Platz zwingend benötigt!
Allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel !!!