Wir hatten die Sam im August 2024 für eine Woche gechartert. Das Boot als solches hat uns dabei in Summe eher positiv überrascht (auch weil manche Kommentare hier von sehr verschlissenem Innenausbau berichtet hatten). Was andere Begleitumstände betrifft, waren wir allerdings von "1.Klasse" (bewusst in Anführungszeichen) wirklich negativ überrascht.
Am dem Tag an dem wir aufs Boot kommen sollten (Vorabend-Anreise) bekamen wir einen Anruf vom Charterzentrum mit der Information, dass das Bugstrahlruder kaputt sei, aber dass uns das ja sicher nichts ausmachen würde. Schließlich muss man als Segler auch ohne solche Komfort-Extras in der Lage sein, das Boot zu beherrschen. Eine Reparatur wäre leider so kurzfristig nicht möglich, denn dafür müsste das Boot aus dem Wasser gehoben werden und das wiederum ginge zeitlich nicht mehr vor Beginn unserer Charter (was übrigens glaubwürdig ist, weil das Getriebe des Bugstrahlruders hinüber war).
All das kann passieren, aber die Art, wie der Vercharterer dabei mit uns umging, war mehrfach unmöglich: Der Anruf in letzter Minute, um uns möglichst wenig Chance zu lassen, uns über unsere Rechte zu informieren oder über Alternativen nachzudenken. Später vor Ort hat sich im Gespräch mit den Bootsleuten bestätigt, dass der Schaden nicht erst von der Crew unmittelbar vor uns verursacht worden war, sondern schon mindestens eine Woche vorher bekannt war. Wir haben dann (obwohl schon auf der Anreise) noch herausgefunden, dass wir bei einem anderen Vercharterer, ebenfalls in Flensburg, kurzfristig für dieselbe Woche noch ein Boot mit funktionierendem Bugstrahlruder hätten bekommen können. Beim erneuten Telefonat hat uns aber der Herr vom Charterzentrum erklärt, wir hätten kein Recht, vom Vertrag zurückzutreten (wir mussten leider feststellen, dass das wirklich in den AGBs so steht). Immerhin ist er uns entgegengekommen und hat einen recht großzügigen Rabatt gegeben. Wenn es allerdings dem Charterzentrum um möglichst viele möglichst zufriedene Kunden ginge, hätte man das ja als Chance nehmen können, das Boot für eine Woche frei zu haben, um die Reparatur durchzuführen. Ich vermute, dass nun auch sämtliche Crews, die nach uns gechartert haben (die Saison war ja erst zur Hälfte vorbei) wieder genau einen Tag vor Antritt ihrer Charter die Geschichte aufgetischt bekommen haben, dass das ja alles leider viel zu kurzfristig passiert sei und man keine Zeit für eine Reparatur hätte. Es stimmt schon, dass man sich im Zweifelsfall nicht vom Bugstrahlruder abhängig machen sollte, aber wir hatten bewusst die teurere Yacht vom teureren Vercharterer gewählt, um das Bugstrahlruder zu haben. Gerade beim Doppelruder ist es ein gewisser Ausgleich für Nachteile, die man ansonsten bei den Hafenmanövern hat. Vor Ort war dann übrigens neben dem Bugstrahlruder auch die Windmessanlage defekt.
Nun zu den insgesamt eher positiven Punkten: Das Boot ist natürlich nicht neu und das Innenleben nicht durch Hochglanz-Massivholz ausgezeichnet. Es war aber durchaus solide (bis auf einige Kantenleisten, die man gern so hätte, dass man sich auch mal dran festhalten kann). Wir haben trotz der geringen Größe wirklich zu sechst (3 Erwachsene und 3 Teenager von 12 bis 17 Jahren) eine Woche gut darauf verbringen können. Natürlich muss man bei einer solchen Belegung auf 34 Fuß teilweise aus der Tasche leben, die dann tags auf der Koje und nachts im Salon steht. Aber Vorräte für eine Woche ließen sich fast schon bequem unterbringen. Allerdings geht diese Optimierung auf maximalen Wohnraum zu Lasten des Backskistenstauraums über Deck. Kein einziger der Fender wäre in der einzigen kleinen Backskiste unterzubringen gewesen.
Auch was das Segeln betrifft hat uns das Boot gefallen, trotz Rollgroß, dem wir grundsätzlich etwas reserviert gegenüber stehen. Das German Cupper System ließ sich ganz gut händeln und insgesamt hat es ermöglicht, dass das Cockpit in den meisten Phasen ziemlich frei von herumliegenden Leinen war. Etwas schade allerdings, dass Großschot und Genua sich abwechseln müssen, was die Winsch betrifft. Man hat die Genua auf der Lee-Winsch und das Groß auf der Luvseite, was beim Wenden zu zeitraubenden Umlege-Aktionen führt (es mag Menschen geben, die -gerade beim Kreuzen- dann ganz darauf verzichten, das Groß auf die Winsch zu legen und die Großschot auf beiden Seiten in der Fallenklemme lassen, aber das gefällt uns nicht).
Die Genua-Holepunkte waren in der Beschreibung als 3D-Holepunkte beschrieben, was aber so (zum Glück) nicht stimmte, wir hätten uns mit dieser Regatta-Leinenführung eher überfordert gefühlt. Die Holepunkte sind zwar -wie bei der echten 3D-Variante- als frei an Leinen hängende Ringe ausgeführt, allerdings ohne Verstellmöglichkeiten. Da diese Ringe aber geschickt mit der Großschot gekoppelt sind, stand das Vorsegel trotz gänzlich fehlender Holepunktverstellung eigentlich immer recht gut. Geschwindigkeit und Wendewinkel waren aus unserer Sicht auch sehr überzeugend angesichts der simplen Bedienung und wenig Trimm-Aufwand.
Zum Schluss noch das wirkliche Highlight:
Das Team vor Ort am Stützpunkt Flensburg war extrem freundlich, kompetent, hilfsbereit, schnell,... und das auch noch bei viel Andrang. Allen voran (aber nicht nur) der Stützpunktleiter Marten Petersen.